13.06.2017 | Internationale Klasse beim Trial-Club in Stadtlohn

„Quelle: Münsterland Zeitung“

Stiftung ermöglicht das Projekt

„Man muss sich nur trauen“ Kinder der internationalen Klasse überwinden Hindernisse mit dem Fahrrad.

„Aber bitte nicht loslassen, Herr Werner!“ Wahiba blickt sorgenvoll die steile Rampe hinab. Hier soll sie mit dem Fahrrad runterfahren. Werner Tippke beruhigt sie: „Hab’ keine Angst. Ich halte dich fest.“ Dann geht es los. Wahiba hält die Luft an. Sie fährt. Und Werner Tippke rennt nebenher. Ein Anfang ist geschafft. Wahiba strahlt vor Glück. Vor anderthalb Jahren kam die heute Zehnjährige („Ich bin aber fast elf!“) mit ihren Eltern aus Algerien nach Stadtlohn. Hier ist vieles neu für sie. Deutsch spricht sie inzwischen fast perfekt. Jetzt geht es um die Sicherheit im Straßenverkehr.

„Früher haben wir den Kindern Kurse für Verkehrsregeln angeboten“, sagt Lucie Hinse, Klassenlehrerin der internationalen Klasse der Losbergschule. „Doch jetzt haben wir beobachtet, dass viele Kinder überhaupt noch nicht oder nur sehr unsicher Fahrrad fahren können.“ Zusammen mit Werner Tippke, Vorsitzender und Trainer des Trial-Clubs Stadtlohn, stellte Lucie Hinse ein Trainingsprogramm für die Kinder auf die Beine. Das Trainingsgelände des Trial-Clubs an der Uferstraße bietet die ideale Hindernisstrecke zum Üben. Finanzielle Barrieren räumte die Stiftung Aktive Bürger aus dem Weg.

Gestern überbrachten Stiftungs-Geschäftsführerin Silvia Frechen und Vorstandsmitglied Heinrich Tömmers einen symbolischen Spendenscheck über 1000 Euro. Damit werden die Trainingsstunden finanziert. Der Trainingseifer und der Spaß, mit dem die Kinder sich Herausforderungen im Hindernis-Parcours suchen, überzeugte die Spendenüberbringer vollends, dass das Geld wohlangelegt ist.

Trainer Werner Tippke ist ein gefragter Mann: als Ermutiger, Hilfesteller und Zweiradmechaniker. „Herr Werner, meine Bremse funktioniert nicht!“, ruft Shakira. Die Elfjährige aus Bosnien ist eine forsche Fahrerin. „Angst habe ich keine“, sagt sie. „Und ich habe hier schon zwei Pokale gewonnen.“ Dann saust sie ohne zu zögern die größte Rampe hinab. Werner Tippke lacht. „Die Kinder sind hier überglücklich. Das macht richtig Spaß.“ Er ist ganz angetan davon, wie schnell das Selbstvertrauen der Kinder wächst.

Mathew (12) aus Syrien, Hurrya (11) aus dem Irak drehen noch ebenerdig und ängstlich ihre Runden. Aber viele andere scheuen kein Hindernis: Weder Rampe, noch Wippe, noch Betonstufen. Werner Tippke hofft, dass der eine oder andere auch nach dem Kurs an den Trainingsstunden des Vereins teilnimmt. Nach jeder Kursstunde wird eines der Kinder mit einem Pokal ausgezeichnet – nicht unbedingt der beste Fahrer, aber der tapferste, derjenige, der sich die größte Mühe gibt, seine eigene Angst zu überwinden. „Meine Lehrerin sagt: Man muss es versuchen, bis es klappt“, erklärt Wahiba, als sie ihr Fahrrad die Rampe hinaufschiebt. Oben zögert sie nur kurz. Dann saust sie hinunter, ganz allein. „Es war nicht so schwierig“, sagt sie hinterher mit rot glühenden Wangen. „Man muss sich nur trauen.“ Werner Tippke kommt aus dem Klubhaus. In den Händen hält er einen glänzenden Silberpokal. Der ist für Wahiba.