7.11.2017 | Krimilesung für den guten Zweck mit Hans-Peter Boer

„Die wahren Geschichten schreibt das Leben“

Lesung mit Hans-Peter Boer Krimilesung im Rittersaal, spannend, schaurig? Ja, aber am Dienstagabend in der Jugendburg auch unterhaltend und höchst informativ.

Die Stiftung Aktive Bürger hatte dazu Hans-Peter Boer eingeladen. Deren Vorsitzende Elisabeth Hüls und der Kuratoriumsvorsitzende Professor Dr. Jörg Minte begrüßten zahlreiche Zuhörer und Krimiautor Boer. Der ist hierzulande kein Unbekannter: gelernter Lehrer, in Gescher, Coesfeld, Münster und Senden als solcher tätig, Leiter des Freilichtmuseums Mühlenhof in Münster und bis 2014 Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Er kennt Gemen seit langem, war 1968 als Schüler auf der Burg, kennt Kirchen und Kloster der Gemeinde, wie er der BZ verriet.

Die Lesung war nur ein Teil, vielleicht genau so informativ erwies sich das, was er zwischen den Lesungen zu erzählen hatte. Wie er an das Schreiben herangeht, parlierte er oder wie man Hauptfiguren eines Romanes erfindet. Dass Krimis im Fernsehen mit der Wirklichkeit aber schon gar nichts zu tun haben, erzählte er und meinte: „Die wahren Geschichten schreibt das Leben“. Aus seinen vielfältigen Kontakten mit Juristen, Kriminalisten und Polizisten wusste er Wahrheiten wie: „Mehr als 90 Prozent der Opfer kennen ihren Mörder“ oder „Das gefährlichste Zimmer ist das Badezimmer“. In allem erwies sich Boer als profunder Kenner des Münsterlandes, seiner Geschichte, seiner Menschen und seiner Gegenwart. Das gute alte Landleben habe es nie gegeben, aber gewaltige Veränderungen in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Woher er seine Ideen nehme? „Wer Hunger hat, der hat Ideen. Wir hier im Münsterland sind im Gegensatz zum Ruhrgebiet nie subventioniert worden“, verband er Antwort und Gesellschaftskritik miteinander.

Ach ja: die Lesungen gab es ja auch – schließlich trug die Veranstaltung den Titel „Mord(s)lust im Münsterland“. Neben einigen Kurzausschnitten las Boer aus seinem Krimi „Kookendage“. Der erzählt vom leitenden Oberstaatsanwalt Stellmacher, der sich vom Landgerichtspräsidenten zu einer nachweihnachtlichen Gesellschaftsjagd hat überreden lassen. Beim abendlichen Jagddinner erreicht die Gesellschaft die Nachricht eines Mordes in nächster Nähe. Stellmacher trifft am Tatort Kommissar Klaus Kattenstroht. Der Tote liegt unter dem Weihnachtsbaum inmitten einer Krippenlandschaft. Er wurde mit einer eisernen Iserkookenzange erschlagen... So münsterländisch, detailreich und humorvoll war das Gehörte, dass, wer´s noch nicht gelesen hat, Lust auf den Fortgang bekam. Boer erwies sich als Schnellleser, was das Aufnehmen teilweise erschwerte –, aber auch als äußerst unterhaltsamer Erzähler.

„Mehr als 90 Prozent der Opfer kennen ihren Mörder. Und das gefährlichste Zimmer ist das Badezimmer.“ Hans-Peter Boer

(Quelle: Borkener Zeitung)